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29. August — 8. November 2009

Danica Dakić


Die Kunsthalle Düsseldorf richtet der in Düsseldorf lebenden Installations- und Videokünstlerin Danica Dakić (*1962 in Sarajevo, Bosnien-Herzegowina) ihre erste umfassende Einzelausstellung aus.
Gezeigt werden zahlreiche Videoinstallationen, Fotografien und Objekte aus den Jahren 1998 bis heute sowie einige explizit für die Ausstellung neu konzipierte Arbeiten. Die Schau, die Ulrike Groos mit Unterstützung von Jari Ortwig kuratiert, wird im Anschluss in der Generali Foundation in Wien und im Museum für zeitgenössische Kunst in Zagreb gezeigt. Aus ihrer Migrationserfahrung heraus beschäftigt
sich Danica Dakić mit dem Bedeutungswandel der Begriffe „Heimat“, „Nationalität“ und „Identität“, hervorgerufen und erzwungen durch Kriege, Glaubenskonflikte, gesellschaftliche Veränderungen und Globalisierungsprozesse. Ihre Motive und Akteure sucht sie auf der ganzen Welt. Kulturelle Schnittstellen werden zum Ausgangspunkt für das Experimentieren mit eindringlichen Bildern und Klängen, die einander überlagern.
In ihren Arbeiten werden Stimmen und Gesänge zu identitätsstiftenden Faktoren. So zeigt die Videoinstallation Surround (2003) ein inszeniertes Leseritual mit sieben im Kreis knienden Personen. Zu hören sind gesungene und gelesene Auszüge aus religiösen Texten. Es entsteht das Bild einer Gemeinschaft mit unterschiedlichen Sprachen und Glaubensrichtungen, die sich immer wieder auf einer Plattform versammelt.
Kultur- und länderübergreifend präsentiert sich die Medieninstallation El Dorado (2006/07), mit der Danica Dakić 2007 auf der documenta 12 vertreten war. Konzeptueller und bildnerischer Ausgangspunkt der Arbeit ist die Panoramatapete El Dorado (1848) aus dem Tapetenmuseum in Kassel. Sie wird zur Projektionsfläche für die Utopien und Sehnsüchte jugendlicher Migranten, die vor diesem Hintergrund zu Akteuren werden.
Ebenfalls von einem Tapetenmotiv ausgehend, entwickelte die Künstlerin in den letzten beiden Jahren die Werkreihe Isola Bella (2007/08), die erstmals in der Kunsthalle Düsseldorf präsentiert wird. Die Reihe setzt sich aus der
Video- und Fotoarbeit Isola Bella und dem Video First Shot zusammen. Schauplatz ist das Heim zum Schutz körperlich und geistig behinderter Menschen im bosnischen Pazarić, in dem die Künstlerin zusammen mit den Bewohnern und unterstützt durch Masken und Musikinstrumente die Spannung zwischen Realität und Utopie in einer bühnenhaften Inszenierung erprobt.
Für ihre neueste Medieninstallation
Casa del Lago (2008/09) arbeitete Danica Dakić zusammen mit einer Familie aus dem Stamm der Huichol in Mexiko-Stadt. Im Stile des Tableau vivant entstanden vor einer neoklassizistischen Parkarchitektur fotografische und filmische Gruppenportraits der Familienangehörigen in ihren traditionellen Kleidern. Die in der Inszenierung angerissenen Themen reichen von Zeit und Vergänglichkeit über 
Kolonialismus und Urbanisierung bis hin zum Neben- und Miteinander verschiedener Kulturen.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Verlag der Buchhandlung Walther König mit einem Vorwort von Ulrike Groos, Sabine Folie und Tihomir Milovac. Die Publikation ist in Deutsch/Englisch erhältlich und wird 2010 in Englisch/Kroatisch erscheinen. Sie enthält ein Interview von Ulrike Groos und Tihomir Milovac mit der Künstlerin sowie Essays von Horst Bredekamp, Sabine Folie, Tom Holert und erläuternde Kurztexte zu den einzelnen Arbeiten. Umfang des Katalogs: 152 Seiten mit zahlreichen Farbabbildungen. Preis: 25 ,- Euro.
Die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt der Kunsthalle Düsseldorf gGmbH mit der Generali Foundation, Wien und dem Museum of Contemporary Art Zagreb.

Liste der ausgestellten Werke
Zid/Wall (1998), Autoportrait (1999), New York Diary (2001/2002), Surround (2003), Tauber Tanz (2003), La Grande Galerie (2004), Role-Taking, Role-Making (2004/2005), El Dorado (2006/2007), First Shot (2007/2008), Isola Bella (2007/2008), Warm-up (2008), Casa del Lago (2008/2009), Terra (2009)

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