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7. Februar – 19. April 2015

Real Humans

Ian Cheng, Wu Tsang, Jordan Wolfson

Real Humans präsentiert Werke der drei jungen US-amerikanischen Künstler Ian Cheng, Wu Tsang und Jordan Wolfson, die in ihren multimedialen Arbeiten auf
unterschiedliche Weise Bedingungen des Menschseins reflektieren. Dabei nehmen sie eine jeweils andere Perspektive ein und untersuchen sowohl sozio-kulturelle, biologische, ökonomische oder psychologische Strukturen, in die der Mensch eingebunden ist und die er gleichermaßen mithervorbringt oder auch verändert. Indem die Künstler je einen eigenen Raum für die Präsentation
ihrer Werke erhalten, lässt das Ausstellungsformat einen Erfahrungsraum von singulären Begegnungen sowie Verknüpfungen zwischen den drei Positionen zu. Mit Real Humans zeigt die Kunsthalle Düsseldorf die erste institutionelle Schau von Wu Tsang und Ian Cheng in Deutschland. Beide Künstler entwickeln hierfür neue Werke.

Ian Cheng (*1984 USA) studierte zunächst Kognitionswissenschaften in Kalifornien, bevor er in New York zur künstlerischen Praxis wechselte. Im Mittelpunkt seines Schaffens steht die Entwicklung von Echtzeitsimulationen – ein digitales Verfahren zur Herstellung von potentiell endlosen und unvorhersehbaren Animationen. Ihr Verlauf wird in realer Zeit berechnet, sodass Bild und Klang live verformt und transformiert werden. Die animierten Echtzeitsimulationen bieten Cheng die Möglichkeit, das Verhältnis von Mensch und Umwelt innerhalb technologischer Bedingungen neu zu denken und (un)vorstellbare Evolutionen spielerisch erfahrbar zu machen. Fragen nach den Verhältnissen zwischen mentalen Strukturen und Verhalten sowie deren gegenseitige Beeinflussung sind in seinen Arbeiten ebenso präsent wie das Ausloten der Grenzen von Kreativität und Kontrolle, Handlungsmacht und Wandel. Für Real Humans entwickelte der Künstler eine Präsentation, welche die menschlichen Maßstäbe vor überdimensionale Anordnungen stellt, sodass man sich als Besucher in einer Situation wiederfindet, die nicht in Gänze zu erfassen ist.
Zusätzlich lässt Cheng die ausgestellten Arbeiten durch eine Computersoftware miteinander in Konversation treten, was sich durch die gegenseitige Einflussnahme auf deren Form (Lichtverhältnisse, Lautstärke, Geschwindigkeit der Wiedergabe etc.) auswirkt. Das moduliert nicht nur die Wahrnehmung des Betrachters, sondern reflektiert auch
die übliche Aufmerksamkeitsökonomie in Ausstellungen.

Wu Tsangs (*1982, USA) Interesse gilt unterschiedlichen Formen von Identitätskonstruktionen und damit verbundenen Fragen von Zugehörigkeit und Diskriminierung. Oft ist sein persönliches Engagement in der Transgender-Szene und im
Einwanderer-Milieu Ausgangspunkt für seine künstlerische Arbeit. In seinen Filmen und Performances untersucht er die Leerstellen zwischen dem Selbst und dem Anderen, indem er alltägliche Erlebnisse von Menschen reinszeniert, die beispielsweise aufgrund von Sexualität, sozialer Klasse oder ethnischer Herkunft diskriminiert werden. Prozesse der Ausgrenzung werden offenlegt, aber auch Möglichkeiten der Transformation und Anerkennung beschrieben. Zentral ist das Spiel mit Sprechakten, die Identität hervorbringen und festschreiben, aber auch verändern können. Durch die von ihm entwickelte Methode der „full body quotation“ (Ganzkörperzitat) schafft Tsang einen Verfremdungseffekt, der die Spannung zwischen der Darstellung und dem Dargestellten markiert. Die Machtstrukturen in die Tsang als Sprecher eingebunden ist werden genauso verhandelt, wie die Unmöglichkeit die Protagonisten seiner Filme in ihrer Komplexität zu repräsentieren. Einige Werke, darunter der preisgekrönte Film WILDNESS (2012), sind im Stil des magischen Realismus gehalten der die Einbettung des Wunderbaren in den Handlungsverlauf erlaubt ohne es als Irrationalität oder Anomalie einzuführen. Anlässlich der Ausstellung wird Tsangs neue Arbeit The Looks (2015), erstmalig gezeigt.

Jordan Wolfson (*1980, USA) spielt mit den Mythen und Bedeutungen der kapitalistischen (Bild-)Welt, die das Begehren und die Imagination
beeinflussen. Wie ein ausgespuktes Unterbewusstsein schleudert dem Betrachter ein Strom von Bildern und Musik entgegen, die als Zeichen für unterschiedliche Styles und Lebensentwürfe gelesen werden können. Indem Wolfson affektiv aufgeladene Assemblagen – heterogene Ansammlungen – aus verschiedenartigem Material der Popkultur schafft, macht
er auf eindrucksvolle Weise psychodynamische Prozesse der kapitalistisch geprägten Wohlstandsgesellschaft erfahrbar. Offengelegt wird ein zweigleisiger Prozess zwischen Selbstbestimmung und Selbstzerstörung: In einer Welt voller Wahlmöglichkeiten artikuliert sich ein zerrissenes Individuum zwischen einer Sehnsucht nach Zugehörigkeit
und Intimität und einem Bedürfnis nach Abgrenzung und Einzigartigkeit.


Die Ausstellung ist kuratiert von Elodie Evers und Irina Raskin


In Kooperation mit der Julia Stoschek Foundation wird am Eröffnungswochenende die Performance Moved by the Motion von Wu Tsang und der Performerin boychild in Zusammenarbeit mit dem Cellisten Patrick Belaga in Deutschland uraufgeführt.
Die Performance findet statt am 7. Februar 2015 um 20 Uhr in der Julia Stoschek Collection.

Anlässlich der Ausstellung erscheinen im April 2015 die ersten Monografien zu Ian Cheng (im Rahmen des Förderpreises „Kataloge für junge Künstler“ der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung) und Wu Tsang (in Kooperation mit dem Migros Museum für Gegenwartskunst Zürich).

Die Ausstellung wird unterstützt durch
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Die Ausstellung und der Katalog von Ian Cheng wurden im Rahmen des Förderpreises „Kataloge für junge Künstler“ unterstützt durch


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