Kunsthalle unterwegs: Ecologies in Motion

Eine detailreiche Makroaufnahme zeigt verschiedene Flechtenarten, die an einem schmalen Ast wachsen. Im Fokus stehen kleine, becherförmige Fruchtkörper (Apothecien) mit dunkelvioletten bis schwarzen Zentren und hellgrauen Rändern. Umgeben sind sie von blassgrünen, blattartigen Strukturen und feinen, korallenähnlichen Auswüchsen. Der Hintergrund ist in sanften, unscharfen Grün- und Brauntönen gehalten, was die Texturen der Flechte hervorhebt.

Foto: Klaus Fritze

Stefanie Bühler / Arpad Dobriban / Klaus Fritze / Kanade Hamawaki / Aslı Hatipoğlu / Temitayo Ogunbiyi / Katie Paterson

Ecologies in Motion ist eine Kooperation zwischen dem Künstlerverein Malkasten und der Kunsthalle Düsseldorf, die im Rahmen der Projektreihe Kunsthalle unterwegs realisiert wird.

Der Mitte des 18. Jahrhunderts im Zentrum Düsseldorfs angelegte, zweieinhalb Hektar große Malkastenpark steht im Zentrum des Kooperationsprojekts. Dabei fungiert der Park nicht nur als Kulisse, sondern wird als aktiver Mitspieler in künstlerischen und gesellschaftlichen Prozessen sichtbar gemacht – als Ort der Begegnung, der Erinnerung und der Transformation. Skulpturen, Performances und Interventionen beleben den Park auf vielfältige Weise und öffnen ihn als Raum für zeitgenössische Kunst, Biodiversität im urbanen Raum und Begegnungen unterschiedlicher Art.

Ecologies in Motion greift den Park als sozialen, ökologischen und ästhetischen Raum auf. Als sozialer Raum bietet er Möglichkeiten der Begegnung, des Austauschs und der kollektiven Erfahrung, während er als ökologischer Raum neue Blickwinkel auf Biodiversität im urbanen Kontext eröffnet. Die Sensibilisierung für den gewachsenem Baumbestand, die historischen Strukturen und Grünflächen des Malkastenparks ist integraler Bestandteil des Projekts und die Besucher*innen sind eingeladen, ein zukunftsfähiges Verhältnis zur gestalteten Umwelt zu reflektieren. Als ästhetischer Raum bringt der Park seine eigene Geschichte ein: Vom Ideal des Barocks mit seinen geometrischen Formen und Sichtachsen über den englischen Landschaftsgarten bis zum heutigen Erscheinungsbild erzählt er von einem Wandel ästhetischer Ideale. Die kunstvolle Anlage des Gartens tritt nun in den Dialog mit aktuellen künstlerischen Positionen. Der Park wird so nicht nur Ausstellungsort, sondern selbst zum Medium künstlerischer Reflexion.

Mit Ökologien befassen sich die Arbeiten von Stefanie Bühler und Katie Paterson. Während Bühlers Skulptur Augenzeuge (2013) dem längst ausgestorbenen und vor mehr als 300 Millionen Jahren verbreiteten karbonzeitlichen Schuppenbaum (Lepidodendron) nachempfunden ist, erforscht Paterson mit der Intervention To Burn, Forest, Fire anhand von Düften den ersten und den letzten Wald im Zeitalter der Klimakrise. Die Anregung der Sinne durch speziell angefertigte Räucherstäbchen erzeugt eine intime Erfahrung, die die Teilnehmer*innen an das menschengemachte Artensterben erinnern soll. To Burn, Forest, Fire wird an fünf Terminen im Laufe der Ausstellung aktiviert. Klaus Fritze hingehen befasst sich direkt mit ökologischen Gegebenheiten vor Ort. Er inszeniert mit Parklabor Tilia 2.0 eine Versuchsanordnung, in der u.a. Algen gezüchtet werden und Dioramen Einblicke in die kryptogame Welt ermöglichen. Auch Kanade Hamawaki beschäftigt sich in ihrer Arbeit Zukunftsarchäologische Anstalt 2026/51.229928, 6.788207 mit dem Malkastenpark und untersucht ihn als Ergebnis einer rund 400-jährigen Geschichte von sozialer, ästhetischer und ökologischer Nutzung, Veränderung und Instandhaltung. Temitayo Ogunbiyis Installation You will forge paths beyond your grandmother’s imaginings (II) (2025) rückt das Spiel in den Fokus. Ogunbiyi erkundet die Möglichkeiten des Spiels und hinterfragt zugleich unser Verständnis davon, indem sie es mit historischen und gegenwärtigen politischen Erfahrungen von Raum, Tradition und Natur verknüpft. Mit sozialer Interaktion setzt sich auch Aslı Hatipoğlu auseinander. Sie nutzt Essen als Medium und hat eigens für die Ausstellung zwei Arbeiten produziert: Der Ginkgo-Baum und die Tilia euchlora bilden die Grundlage für fermentierte Biofilme, die einen lebendigen Abdruck der Bäume darstellen. Darüber hinaus inszeniert sie am 23. August einen kulinarischen Spaziergang, in dem sie mit viel Humor und fundierter Recherche reale und fiktive Geschichten mit der Geschichte der Pflanzen im Park verbindet, während die Gäste sorgfältig zusammengestellte Häppchen probieren können. Das Essen als älteste Kulturtechnik steht auch im Mittelpunkt von Arpad Dobribans künstlerischer Arbeit. Er serviert dem Publikum ein mehrgängiges Menü von Speisen, die er selbst vor- und zubereitet sowie kocht, häufig unter Verwendung eigens hergestellter Zutaten. Für die Ausstellung konzipierte er Feuer Wasser Erde Luft. Transformation durch die Elemente – Eine Speisefolge in vier Stationen mit Vorträgen von Arpad Dobriban. Die Veranstaltung findet am 5. Juli im Malkastenpark statt.

Malkastenpark
Jacobistraße 6A
40211 Düsseldorf
Öffnungszeiten: Täglich, 11–17 Uhr
Eintritt: 2 Euro

Der Eingang zum Malkastenpark befindet sich hier.

Bilder

Foto von zwei Räucherstäbchen. Beide sind grün, auf einem steht "first forest" auf dem anderen "last forest".

Katie Paterson,
To Burn, Forest, Fire, 2021
Ursprünglich in Auftrag gegeben von IHME Helsinki
Foto ©Veikko Somerpuro

Zwei Räucherstäbchen vor schwarzem Hintergrund, eines davon raucht

Katie Paterson
To Burn, Forest, Fire, 2021
Ursprünglich in Auftrag gegeben von IHME Helsinki
Foto ©Veikko Somerpuro

Fotografie von einer waldigen Landschaft. Im Vordergrund steht ein Baumstumpf aus grauen Beton gegossen.

Stefanie Bühler
Augenzeuge, 2013
Beton, gewachst
142 × 120 × 128 cm

Foto eines Baumstammes, eine Plastik aus Beton

Stefanie Bühler
Augenzeuge (Detail), 2013
Beton, gewachst
142 × 120 × 128 cm

Fotografie von spielenden Kindern an einem filigranen, kunstvollen Spielplatzgerüst.

Temitayo Ogunbiyi
You will forge paths beyond your grandmother’s imaginings (II), 2025
Spielplatzmatten, Manilaseil und Stahl
Maße variabel
Im Auftrag des Kunstvereins Hannover
Foto: Andre Germar

in einem Raum stehen drei installative Arbeiten, wie dicke, steife, gebogene Seilen

Temitayo Ogunbiyi
You will pave paths of life with play, 2025
Edelstahl, Manilaseil, Tulipierholz, Farbe
Maße variabel
Im Auftrag des Noguchi Museums
Foto: Chanel Matsunami Govreau

Aslı Hatipoğlu
Foto: Rita Couto

Aslı Hatipoğlu
Foto: Rita Couto

Auf einem Tisch stehen Gläser mit eingelegtem Essen und Teller voller Essen

Aslı Hatipoğlu
Foto: Federico Marin

Zwei Menschen im Wald, der eine beißt in eine Kohlrabi, die vom Baum hängt

Aslı Hatipoğlu
Foto: Vojtěch Brtnický

Detailfoto von einem Bingo-Blatt mit Zahlen, eine Person kreist eine Zahl mit einem Stift ein

Kanade Hamawaki
Stadt-BINGO, 2025
Nakanojo Biennale 2025 – 10th International Contemporary Art Festival
Foto: Nakanojo Biennale

Kanade Hamawaki
Kaufmann Anton Nordpol Dora Emil Heinrich Martha Wilhelm Ida Otto Berta Richard Ludwig Übermut Samuel Friedrich, 2025
FUHRWERKSWAAGE
Foto: Jona Engelbertz

Kanade Hamawaki
Kaufmann Anton Nordpol Dora Emil Heinrich Martha Wilhelm Ida Otto Berta Richard Ludwig Übermut Samuel Friedrich, 2025
FUHRWERKSWAAGE
Foto: Jona Engelbertz

Kanade Hamawaki
Kaufmann Anton Nordpol Dora Emil Heinrich Martha Wilhelm Ida Otto Berta Richard Ludwig Übermut Samuel Friedrich, 2025
FUHRWERKSWAAGE
Foto: Jona Engelbertz

Kanade Hamawaki
Kaufmann Anton Nordpol Dora Emil Heinrich Martha Wilhelm Ida Otto Berta Richard Ludwig Übermut Samuel Friedrich, 2025
FUHRWERKSWAAGE
Foto: Jona Engelbertz

Klaus Fritze
Arbeitstisch (Detail)

Klaus Fritze
Arbeitstisch (Detail)

Arbeitstisch mit verschiedenen Flechtenzeichnungen und Papieren

Klaus Fritze
Flechtenzeichnungen

Fotografie von einem älteren Mann, der in ein Mikrophon spricht.

Arpad Dobriban
Foto: Katja Illner

Veranstaltungen

In Kooperation mit

Gefördert durch

Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen