Kunsthalle unterwegs: FOLDS (in tape fields)

Nahaufnahme eines eckigen Gullideckels aus grauem, verschmutztem Metall im Düsseldorfer Stadtzentrum. Auf der Oberfläche sind helle Rückstände alter Kaugummis zu sehen. Durch die schmalen Öffnungen wirkt der Raum darunter tiefschwarz. Aus dieser Dunkelheit wächst leuchtend grünes Moos empor.

Foto: KMRU

FOLDS (in tape fields) ist eine Kooperation zwischen der Kunsthalle Düsseldorf und dem IMAI – Inter Media Art Institute, die im Rahmen des alle zwei Jahre stattfindenden Ausstellungsprojekts Circulating Copies des IMAI auf Bildschirmen und Lautsprechersystemen im Düsseldorfer Stadtraum realisiert wird.

KMRU untersucht, wie urbane Infrastrukturen das Hören im öffentlichen Raum bedingen und strukturieren. Ausgehend von Hörspaziergängen, Umwegen und beiläufigen Aufnahmen nähert er sich Düsseldorf als einem auditiven Feld, in dem sich Routinen, Rhythmen und Erwartungen überlagern.
FOLDS (in tape fields) entfaltet sich über verschiedene Orte und Lautsprechersysteme im Stadtraum. Klangmotive, Schleifen und Feldaufnahmen tauchen versetzt und wiederkehrend auf, ohne sich zu einem geschlossenen Ganzen zu fügen. Zeit wird gedehnt, unterbrochen oder zurückgeführt. Bedeutung entsteht im Vorübergehen, im Verweilen oder auch im Überhören. Statt einer festen Kartografie eröffnet die Arbeit eine offene, vielschichtige Form der Wahrnehmung.
“IN THE BEGINNING there was a river. The river became a road and the road branched out to the whole world. And because the road was once a river it was always hungry.” Ben Okri, The Famished Road, 1991

Der in Berlin lebende Klangkünstler KMRU (Joseph Kamaru, * 1997 in Nairobi, Kenia) nutzt Fied Recordings, Ambient Sound und experimentelle Techniken, um Hörkulturen jenseits vorherrschender Wahrnehmungsnormen zu erforschen. Er realisiert international Kompositionen, Installationen und Performances und hat mehrere Alben veröffentlicht, darunter auf seinem eigenen Label OFNOT.

Circulating Copies ist ein zweijährliches Ausstellungsprojekt der Stiftung IMAI – Inter Media Art Institute auf Bildschirmen und Lautsprechersystemen im Düsseldorfer Stadtraum. Audiovisuelle Medien sind hier alltäglich präsent und werden zugleich kaum als gestaltbare oder veränderbare Strukturen wahrgenommen. Die zweite Edition des Projekts widmet sich daher der Frage, wie diese Infrastrukturen das Sehen und Hören im öffentlichen Raum organisieren, verhandeln und reflektieren.

Öffentliche audiovisuelle Infrastrukturen – Screens, LED-Wände, Durchsagesysteme, Beschallungsanlagen – sind keine neutralen Träger von Information oder Unterhaltung. Sie beruhen auf Annahmen darüber, wie wir mehrheitlich sehen und hören, und wie unsere Aufmerksamkeit „funktioniert“. Diese Annahmen produzieren Ausschlüsse: Sie privilegieren bestimmte Körper, Sinne und Erfahrungsweisen und machen andere unsichtbar oder unhörbar. Circulating Copies setzt hier an und fragt, wie künstlerische Interventionen diese Bedingungen sichtbar, hörbar und veränderbar machen können. Sehen und Hören werden dabei nicht als universelle Fähigkeiten verstanden, sondern als unterschiedliche, situierte und relationale Erfahrungen, die in konkreten technischen und sozialen Umgebungen entstehen.

Neben den Arbeiten im Stadtraum umfasst Circulating Copies ein begleitendes Programm, das in engem Austausch mit nicht-visuell bzw. nicht-lautsprachlich orientierten Künstler*innen, Theoretiker*innen, Übersetzer*innen und Aktivist*innen entsteht, und das normierende Zugänge zu audiovisueller Kunst gezielt aufbricht.

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