KUNSTHALLE seitenlichtsaal
João Maria Gusmão und Pedro Paiva – Tem gwef tem gwef dr rr rr
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João Maria Gusmão & Pedro Paiva
Key, 2006/07
16mm film, colour, no sound, 4’31’‘
Courtesy Sies + Höke, Düsseldorf

João Maria Gusmão und Pedro Paiva wurden 1979 und 1977 geboren und beschreiben ihre Arbeit selbst als poetisch-philosophische Fiktion. Eine zentrale Inspirationsquelle für das portugiesische Künstlerduo ist die Literatur des wenig bekannten französischen Schriftstellers René Daumal (1908–1944), der sich den Grenzen der gewohnten Wahrnehmung und der Magie der Dinge widmete und in seinen Jenseitserfahrungen selbst nach einer Gewissheit jenseitiger Welten suchte. Auch wenn Gusmão und Paiva keine Mystiker sind, verbindet sie mit Daumal insbesondere die Art und Weise, Allegorien für Bilder und Vorstellungen zu finden, die das Unmögliche und eigentlich Unerfahrbare veranschaulichen. Die Künstler beschreiben diese unerfahrbaren Erfahrungen mit dem Begriff Ventriloquism (Bauchreden) – ursprünglich eine religiöse Praxis, bei der man glaubte, die so produzierten Laute seien Stimmen von Toten. Der Ausstellungstitel Tem gwef tem gwef dr rr rr bezeichnet ebenfalls ein Geräusch, das aus dem Inneren kommt, aber nicht an seinem Entstehungsort wahrgenommen wird.

Ähnlich wie Daumal, der in seinem Leben wie in seiner Lyrik und Prosa die Trennung von Mysteriösem und Rationalem aufhob, überlagern sich in den Filmen, Fotografien und Skulpturen von Gusmão und Paiva naturwissenschaftliche Erkenntnisse mit surrealen, unerklärlichen Erscheinungen, die das Unbegreifliche und Unvorstellbare künstlerisch visualisieren. Für die Ausstellung haben die Künstler ein spezielles Display, eine Art Traumlandschaft, entworfen. Darin zeigen sie eine Reihe von Arbeiten, die insbesondere mit filmischen Mitteln – durch optische Täuschungen und obskure Experimente – auf humorvolle Art und Weise den Verstand herausfordern und die Problematik einer verlässlichen Repräsentation von Realität thematisieren. Die durch die Arbeiten aufkommende Magie hat ihren Ursprung nicht nur in der Schönheit der Bilder und den absurd-komischen Erzählungen, die gleichermaßen ratlos wie überrascht zurücklassen, sondern entsteht auch durch eine Zusammenführung dessen, was gemeinhin als getrennt wahrgenommen wird: rationale Wissenschaft und das Übersinnliche, die Dinge und ihr mögliches Wesen.

Hier geht es zum Katalog der Ausstellung.