Martha Jungwirth
ein fleck ist ein fleck ist ein fleck ein intelligenter oder ein blöder, sonst nichts

Martha Jungwirth
Ohne Titel, aus der Serie “Spittelauer Lände”, 1993
Aquarell auf Papier, 177 × 204 cm
Privatsammlung Wien, © VG Bild-Kunst, Bonn 2022, Foto: Lisa Rastl

Alle drei großen Säle der Kunsthalle Düsseldorf sind im Herbst 2022 dem malerischen Werk der 82-jährigen Wienerin Martha Jungwirth überlassen – ihre erste retrospektiv angelegte Ausstellung in Deutschland, und vor allem im Umfeld der berühmten Düsseldorfer Malerschule von Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute. Nach frühen Erfolgen, wie etwa einer Teilnahme an der documenta 6 im Jahr 1977, wurde die Malerin jahrzehntelang von der Kunstwelt weitgehend übersehen oder ignoriert. Währenddessen arbeitete sie kontinuierlich und fern der öffentlichen Aufmerksamkeit in ihrem Wiener Atelier weiter.

Martha Jungwirth gilt als wichtige Vertreterin der Generation zwischen den Wiener Aktionisten und Franz West, dessen Atelier sie übernahm. In den letzten sechs Jahrzehnten entwickelte die Künstlerin einen einzigartigen Ansatz zur Abstraktion. Dieser stützt sich auf den Körper und die genau beobachtete Wahrnehmung der Welt um sie herum. Ihre Malerei bewegt sich energetisch im Grenzbereich zwischen Figuration und Abstraktion. Aquarell auf Papier war jahrzehntelang ihre bevorzugte Technik.

Mit ihrem idiosynkratischen, nonkonformistischen Ansatz in der Malerei besetzen ihre Kunstwerke einen intuitiven Raum, der jenseits der Bildung erkennbarer Bilder existiert, „vor der gesprochenen Sprache“, „vor der Erinnerung“ und „vor der Aufdringlichkeit der Objekte“. Die Kompositionen offenbaren sich ihr während des Malprozesses, den sie selbst als „Abenteuer“ bezeichnet, wobei sie im Zusammenspiel mit ihren Materialien großformatige Kunstwerke schafft, die zwischen Zufall und Kalkül angesiedelt sind.

Gerade für den Akademiestandort und die zahlreichen kunsthistorischen Bezüge in die Geschichte und Gegenwart der Malerei in Düsseldorf ist das Werk von Martha Jungwirth eine enorme Bereicherung und Erweiterung eines Forschungsfeldes zum Bild. Dieses kann und muss hier in herausragender Stellung gewürdigt und befragt werden. Wie bereits in den letzten Jahren Ausstellungen zu Tal R, Tomma Abts, Chris Martin, Yüksel Arslan, Michael Kunze, Liu Xiaodong, Megan Rooney und zuletzt Carroll Dunham und Albert Oehlen, der Jungwirth 2010 in der Sammlung Essl „entdeckte“, eindrucksvoll demonstriert haben, ist die Malerei insbesondere in der Kunsthalle inmitten Düsseldorfs ein Laboratorium intensiver Bilderfahrungen und reflektierender Diskurse.

Die einzigartigen Räume der Kunsthalle Düsseldorf ermöglichen es auf wunderbare Weise, die großformatigen und teilweise bis zu neun Meter langen, außergewöhnlichen Gemälde der Malerin erstmalig in diesem Ausmaß zu präsentieren. Denn trotz ihrer Bedeutung für die österreichische Kunstgeschichte ist die Künstlerin, der im vergangenen November der Große Österreichische Staatspreis 2021 verliehen wurde, einem breiten Publikum bisher wenig bekannt.

Die Ausstellung wird kuratiert von Gregor Jansen und Alicia Holthausen in enger Kooperation mit der Künstlerin.

Zur Ausstellung ist eine umfangreiche Publikation geplant.