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21. April – 24. Juni 2012

Carol Rama. Böse Zungen

Mit Carol Rama (*1918) richtet die Kunsthalle Düsseldorf einer der herausragenden Künstlerinnen ihrer Generation erstmals eine institutionelle Ausstellung im Rheinland aus. Das Werk der italienischen Künstlerin, die 2003 den Goldenen Löwen der Biennale Venedig für ihr
Lebenswerk erhielt,  ist von radikalen Tabubrüchen geprägt. Die freizügigen Aquarelle der 1930er Jahre nehmen in der Auseinandersetzung mit Körper und Sexualität Themen vorweg, die für die Aktionskunst und Body Art der 1960er und 1970er Jahre wichtig werden. Ihre feinsinnigen, oft ironischen Zeichnungen, Collagen, Objektbilder und Aquarelle, die die Künstlerin his heute weiterentwickelt, sind
gleichermaßen anstößig und elegant, rebellisch und versponnen. Persönliche Erinnerung und frühe familiäre Belastungen, sexuelle Vorstellungen und fetischisierte Gebrauchsgegenstände aller Art, Mythen und verschmelzen bei Carol Rama zu einem eigenen Kosmos, der Strömungen der Nachkriegsmoderne spiegelt, dabei aber seine starke Eigenwilligkeit bewahrt.

Die Ausstellung versteht sich als Einzelpräsentation, die jedoch thematisch an die Retrospektive des türkischen Künstlers Yüksel Arslan (*1933) anschließt, die parallel in der Kunsthalle Düsseldorf gezeigt wird. Geplant ist außerdem eine Präsentation einer Auswahl von frühen Zeichnungen des montenegrinischen Künstlers Dado (1933-2010). So eigenwillig die drei Positionen sind und so unterschiedlich ihre Sprache, gibt es in ihren Themen und Bildwelten Überschneidungen, die eine Präsentation in einem gemeinsamen Kontext lohnend erscheinen lassen: das Obsessive und Abgründige, Motive von Traum, Spiel, Sexualität, Gewalt und Zerstückelung, der Körper als Fragment und Fetisch.

Carol Rama benutzt Bilder „gelebter“ Objekte und fragmentierter Körperteile, Schuhe, Rasierpinsel, Gebisse, Zungen, Augen, die sie zu neuen, oft verrätselten Bildern zusammenstellt. Fetischistische Sexualität, abgründige Fantasien und Ängste, Deformationen und Mutationen des Körpers transformiert sie in eine seltsame Poesie, die in ihrer Mischung aus Naivität und
Frechheit ohne Vorbild ist und das surrealistische oder dadaistische Zitat überwindet. Anfang der Siebzigerjahre entdeckt sie Gummi für sich als neues Arbeitsmaterial. Alte Fahrradreifen bekommen durch ihre Abnutzungserscheinungen malerische Qualitäten, erzählen als authentische Bruchstücke ihre eigene Geschichte. Die entstehenden Collagen und Skulpturen sind der Materialsensibilität der Arte Povera
nahe, erinnern in der Collage von Alltäglichem an neodadaistische oder neorealistische Tendenzen und in der erotischen Aufladung der hervorstehenden Ventile an surrealistische Poetik. Seit Anfang der Neunzigerjahre benutzt Carol Rama als Bildträger alte Landkarten oder Konstruktionszeichnungen, deren Strukturen sie im Rückgriff auf frühe Bildfindungen ihre eigenen Bilder entgegensetzt.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

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