24. März 2026,
19–22 Uhr
19 Uhr
Dr. Hannah Schiefer, Kunsthistorikerin
Thema: Betonlandschaften: Eine Archäologie der Nachkriegsmoderne
Der Vortrag „Betonlandschaften: Eine Archäologie der Nachkriegsmoderne“ von Dr. Hannah Schiefer, Universität Siegen, widmet sich der Entstehung und Entwicklung des Brutalismus – einer der prägnantesten, aber auch umstrittensten Architekturrichtungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ausgehend von der Begriffsgeschichte des „New Brutalism“, die in den 1950er Jahren von Architekt*innen und Architekturtheoretiker*innen geprägt wurde, zeichnet der Vortrag nach, wie sich aus einem zunächst polemischen Schlagwort ein weltweit rezipierter Baustil entwickelte.
Anhand ausgewählter Beispiele aus Düsseldorf und Umgebung werden zentrale Merkmale brutalistischer Architektur vorgestellt: die Sichtbarkeit von Konstruktion, der expressive Einsatz von Materialien wie Sichtbeton sowie eine Architekturauffassung, die sich zwischen sozialem Anspruch, technischer Innovation und skulpturaler Form bewegt. Die vorgestellten Bauten zeigen, dass Brutalismus nicht allein als Stil des „rohen Betons“ verstanden werden kann, sondern als vielschichtige architektonische Haltung, die bis heute Fragen nach Materialehrlichkeit, Dauerhaftigkeit und gesellschaftlicher Verantwortung des Bauens aufwirft.
19.30 Uhr
Dr. Sven Kuhrau, Kunsthistoriker, Wissenschaftlicher Referent der Abteilung Inventarisation beim LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland
Thema: Starker Auftritt. Die Kunsthalle Düsseldorf als Baudenkmal
Die anfänglich ungeliebte Düsseldorfer Kunsthalle erfuhr erst im Zuge der jüngeren Aufarbeitung brutalistischer Architektur eine positive Umdeutung. Zuvor hatten sich Künstler*innen das widerständige Potential der wehrhaften Architektur für ihre eigenen Werke am Ort zunutze gemacht. Seit kurzem steht das Haus samt der künstlerischen Interventionen unter Denkmalschutz. Aber was genau macht den Denkmalwert des Gebäudes aus?
20 Uhr
Pause
20.15 Uhr
Dr. Turit Fröbe, Architekturhistorikerin, Urbanistin, Baukulturvermittlerin
Thema: Brutalismus – schön hässlich?
Turit Fröbe bricht in ihrem Vortrag eine Lanze für originelle, gut gemachte Bausünden. Sie fasst ihre wichtigsten Erkenntnisse, die aus ihrer jahrelangen Auseinandersetzung mit den „hässlichen Entlein“ unserer Städte hervorgegangen sind, zusammen und zeigt, dass „Bausünden“ eine unterschätzte Baugattung darstellen, die durchaus Potenziale für ihr jeweiliges Umfeld haben. In ihrem Vortrag nimmt sie auch den Brutalismus – beziehungsweise das, was gemeinhin als brutalistisch etikettiert wird – in den Blick, erläutert, warum es sich lohnt, sorgfältig zwischen guten und schlechten Bausünden zu unterscheiden, und beschreibt, wie sich selbst die verhasstesten Objekte mithilfe eines „liebevollen Blicks“ innerhalb kürzester Zeit aufwerten lassen.
20.45 Uhr
Kaspar Stöbe & Pablo Molestina, Architekten
Thema: Die Kunsthalle der Zukunft
In das Gebäude der Kunsthalle Düsseldorf wurden über die letzten Jahrzehnte eine Vielzahl von Nutzungen hineingeschichtet. Der Logik des Schichtens und den immanenten Qualitäten des Gebäudes folgend, erhält die Kunsthalle im Zuge der Sanierung eine weitere Schichtung im Gebäudeinnern. So werden zukünftig alle Nutzungen miteinander verbunden. Die Qualitäten des robusten brutalistischen Baukörpers bleiben erhalten und bilden als Laborumgebung den Raum für die künstlerischen Experimente unserer Zeit.