Sophie Thun. Stolberggasse zu Friedrichstraße zu Grabbeplatz
IM FOYER

An einer Wand hängen mehrere Bahnen Fototapete, auf denen der Blick auf eine Zimmerwand mit Fenster und Heizungskörper zu sehen ist. Es ist als schaue man durch das Fenster, es ist aber die Tapete.

Sophie Thun
Looking at the Window Kabinett, 2020
analogue colour photography, photogram, metal, magnets and nylon string
ca. 290 × 700 × 60 cm (dimensions variable)
Foto: Pascal Petignat
Courtesy the artist and Secession

In der Ausstellung Stolberggasse zu Friedrichstrasse zu Grabbeplatz im Foyer der Kunsthalle Düsseldorf zeigt Sophie Thun (* 1985 in Frankfurt am Main) eine Auswahl von Werken, die im Rahmen ihrer Ausstellung in der Secession in der Friedrichstraße in Wien im ersten Corona-Jahr entstanden.

Im Ausstellungsraum, der in Realzeit auf dem Bildschirm zu sehen ist, hat die Künstlerin sich ihre Dunkelkammer eingerichtet, um alleine vor Ort Fotogramme von Gegenständen ihrer Wohnung in der Stolberggasse in Wien herzustellen.* Das Inventar, das sie ausbelichtet, reicht von Zahnbürsten und Küchenutensilien über Bücher, Werkzeuge und Büroklammern bis zu Haargummis. Das einzige Ausschlusskriterium ist die Größe der Gegenstände, die dem gewählten Medium entsprechend das 8×10” messende Format des Großbildnegativs nicht übersteigt.

Neben ihren Arbeitsgeräten und der fortlaufend wachsenden Sammlung schwarz-weißer Fotogramme umfasst ihre Installation auch die mehrteilige Farbfotografie Looking at the Window*. Als Trompe-l’Œil bildet es im Maßstab 1:1 jenes Fensters ab, das sich hinter der Fotografie befindet, zur Verdunkelung des Raums allerdings verbaut wurde. Der Ausblick, die Verbindung nach Außen, bleibt Illusion und der Blick wird stattdessen auf den Innenraum zurückgeworfen. Auch die gleichbleibende Tages- und Jahreszeit auf dem Bild lässt sich als ein Zeichen des Stillstands lesen und verweist so auf das Paradigma der Fotografie als angehaltener Moment ebenso wie auf die Situation des Lockdown.

*Die Arbeiten entstanden im Rahmen des f/12.2 Projektstipendiums der DZ Bank Kunststiftung.

In den Arbeiten Thuns werden der künstlerische Prozess des Fotografierens und Ausbelichtens in der Dunkelkammer, aber auch die Künstlerin selbst als erschaffende Person stets prominent in den Mittelpunkt gerückt und als performative Akte im Bild festgehalten. Sophie Thun arbeitet vorwiegend mit Techniken der analogen Fotografie, ihren Zeitlichkeiten, Räumen und Prozessen, Produktions- und Ausstellungsbedingungen. Sie studierte an den Akademien der Bildenden Künste in Krakau und Wien, ist Vorstandsmitglied der Secession, Vereinigung bildender Künstler*innen, Wien, und arbeitet an der Kunstakademie Düsseldorf.

IM FOYER: Sophie Thun. Stolberggasse zu Friedrichstrasse zu Grabbeplatz ist das siebte Projekt in der Reihe IM FOYER der Kunsthalle Düsseldorf, die im Oktober 2019 begann, und findet 2024 im Rahmen der Biennale for Visual and Sonic Media – düsseldorf photo+ statt.

Während des Ausstellungsumbaus vom 10. bis zum 29.6.2024 wird die Arbeit von Sophie Thun nur von außen sichtbar sein. Die Kunsthalle ist in dieser Zeit geschlossen.

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